 Stadtmuseum Güstrow am Franz-Parr-Platz 10. Das Gebäude ist auch Sitz des Stadtarchivs. Zwei Maler, ein Dichter und einiges mehr
Das Stadtmuseum Güstrow am Franz.-Parr-Platz hat Überraschendes zu bieten
Nimm dir nichts vor, dann schlägt dir nichts fehl. Ich hatte es mir aber vorgenommen. Wiederholt. Und es schlug fehl. Jedes Mal. Aus unterschiedlichen Gründen. Vielleicht war es sogar gut, dass es nicht gleich geklappt hatte. Wer weiß, ob ich damals beim ersten Anlauf entdeckt hätte, worauf ich nun gestoßen war.  Museumsmitarbeiterin Iris Brüdgam zeigt Bilder von Otto Vermehren. Nachschauen hatte ich wollen, was aus Georg Friedlich Kersting geworden war, seit er 1994 aus seinem Elternhaus in der Hollstraße 6 ausziehen musste, weil dort beim Restaurieren gesundheitsschädigende Materialien verwendet worden waren. Das, was Güstrow von ihm besitzt, war zurück ins Stadtmuseum gebracht worden, welches sich seit Oktober 2003 in seinem neuen Domizil am Franz- Parr-Platz 10 befindet. Außerdem war ich gespannt, wo man die historische Küche untergebracht haben würde. Doch ich landete erst einmal bei einem mir völlig unbekannten Güstrower, von dem es- wie ich später erstaunt feststellte- sogar in der einschlägigen Literatur nur hieß: „Maler, 2. H. 19. Jhdt., ansässig in München.“ Zwei Bilder von ihm wurden angeführt, eins in Rostock und eins in Güstrow. Ein bisschen sehr knapp behandelt, fand ich. Anderes sah und las ich nun in der ihn ehrenden ständigen Ausstellung. Hier erfährt der Besucher etliches mehr aus dem Leben und Schaffen von Otto Vermehren, der 1861 als Sohn eines Gymnasialoberlehrers in Güstrow geboren wurde. Dass er in Italien tätig war.
Nach Florenz
Als erster deutscher Künstler leitete er ab 1990 als Maler, Kopist und Restaurator in Florenz die Restaurierungswerkstätten der Uffizien. Im Palazzo degli Uffizi lernte er die Bilder sowohl der florentinischen Meister des 14. Jahrhunderts und die der Renaissancemaler Giotto, Masaccio, Uccello, Fra Filippe Lippi, Botticelli bis hin zu Michelangelo und Raffael sowie die Werke von Rubens und Rembrandt kennen. Der Güstrower arbeitet auf einem verantwortungsvollen Posten in einer der berühmtesten Gemäldesammlungen der Welt. Stellte seine Begabung, sein können anderen zur Verfügung, sorgte dafür, dass ihre Kunstwerke uns in ihrer Schönheit erhalten blieben. Erst kurz vor seinem Tod 1917 kehrte Otto Vermehren nach Güstrow zurück, wo er 56-jährige verstarb. Ein Großteil seines künstlerischen Nachlasses ist im Obergeschoss des Stadtmuseums zu besichtigen, neben dem Brinckman-Zimmer, dessen Mobiliar stets meine Aufmerksamkeit erregte.  Möbel aus dem Elternhaus von John Brinkman (1814-1870) Zwar war der niederdeutsche Schriftsteller John Brinckman (1814-1870) gebürtiger Rostocker, hatte aber über zwei Jahrzehnte in Güstrow gelebt. Nach seinem Jurastudium war er zu seinem Jurastudium war er zu seinem Bruder nach Nordamerika gegangen, hatte als Sekretär bei brasilianischen Gesandtschaft in New York gearbeitet, kehrte 1846 nach Mecklenburg zurück und wandte sich dem Lehrerberuf zu. Seit 1849 wohnte er in Güstrow und unterrichtete an der dortigen Realschule. Etwa auch den kleinen Otto Vermehren? Der war neun Jahre alt, als John Brinckman starb. Begegnet könnten sie sich sein. So viele Schulen gab es in den Städtchen ja nicht. Beim ertrachten der Brinckmanschen Familienmöbel überlegte ich, ob an dem stilvollen Schreibschrank wohl tatsächlich „Kaspar-Ohm u nick“ und die Tierfabel „Voß un Swinegel“ oder der Gedichtband „Vagel Grip“ zu Papier gebracht wurden? Oder ob Brinckman an ihm nur Aufsätze und Diktate korrigierte? Mit Federkiel und roter Tinte? Sei es wie es sei. Mich trieb es weiter, auf selber Etage, hinüber zu Georg Friedrich Kersting (1785-1847), dem Maler der Romantik. Ein heller, offener Raum war ihm eingerichtet, mit einem ungewöhnlichen Blick auf das Güstrower Schloss. Alles wirkte anders als einst in der Hollstraße. Großzügiger. Auch „Die Stickerin“ war da, zu der ihm 1812 seine befreundete Kollegin Louise Seidler Modell gesessen hatte. Irgendwie erinnerte sie mich an seinen „Lesender bei Lampenlicht“, den Kersting 1814 malte und den ich bei Oskar Reinhart in Winterthur/Schweiz gesehen hatte.
Kerstings Küche
Auch Kerstings Zeit (1818-1847) als Malervorsteher an der Königlich-Sächsischen Porzellanmanufaktur Meißen wurde dokumentiert. Und wer lange nicht im Stadtmuseum war, wird feststellen, wie Schenkungen und Ankäufe diese Sammlung bereichert haben. Wer sich mehr für die Geschichte der Barlachstadt Güstrow interessiert, für ihr Werden und Wachsen seit dem Mittelalter bis ins 19 Jahrhundert oder wer etwas über die Befreiungskriege 1813/14 sucht, wird ebenfalls fündig. Sogar die Expressionisten sind vertreten. Nur die historische Küche konnte nicht mehr präsentiert werden. Aber das lässt sich verschmerzen.  Georg Friedrich Kersting, Frau am Spinnrad und Trommelbube mit Säbel, 1828 Öl auf Leinwand. Das Bild entstand in etwa zu der Zeit, in der das heutige Museumsgebäude errichtet worden ist. [Schweriner Volkszeitung 25.07.2008]
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