 Kapitän Dieter Rist (r.i.B.) beherrscht natürlich nicht nur das Steuerruder sondern kann auch die eine oder andere interessante Information zur Tier- und Wasserwelt des Inselsees geben. Foto: Moll Warum in die Ferne schweifen…
Erlebniswelt Inselsee – ein Konzept mit vielen Mosaiksteinen
Güstrow/ mb/ sm. Manch Güstrower kann sich bestimmt noch dran erinnern, als vom Fährhaus an der Plauer Straße ein kleines Fahrgastschiff Erholungssuchende entlang der idyllischen Bootshäuser am Inselseekanal zum See brachte. Der geschäftstüchtige Hermann Schröder, Besitzer des Kurhauses, hatte bereits in den 20er Jahren die Initiative ergriffen und private Mittel eingesetzt, um den heutigen Inselseekanal für ein größeres Boot befahrbar zu machen und auf diesem Wege mehr Gäste anzulocken. An diese Tradition anknüpfend, hat es sich der Verein „Wasser in Güstrow“ zur Aufgabe gemacht, das Naherholungsziel Inselsee wieder attraktiver zu machen und zum touristischen Angebot auszubauen. Der Verein hat heute 12 Mitglieder, wurde 1995 gegründet und hat sich seit der Gründung unter anderem mit der historischen Seite der Güstrower Wasserkunst beschäftigt. Die Mitarbeit und Präsentation am Projekt „Wasser in Güstrow“ auf der Expo 2000, mit wesentlicher Unterstützung durch die Stadtwerke Güstrow und den Wasser- und Bodenverband Nebel, war das bisher namhafteste Projekt. Das rekonstruierte Schöpfwerk am Sumpfsee und das Schauwasserkraftwerk Am Berge zeugen noch heute von der Arbeit der Vereinsmitglieder. Seit 2008 steht nun der Inselsee im Mittelpunkt der Arbeit. Allein die Bestandsaufnahme der bereits heute vorhandenen Angebote rund um den Inselsee lässt selbst einen Alteingesessenen staunen, nach dem Motto: Warum in die Ferne schweifen, das Gute liegt oft so nah. Neben der gastronomischen Versorgung rund um den See gibt es zahlreiche Angebote für sportliche und kulturelle Aktivitäten. Reiten, Bowlen und nicht zu vergessen Radtouren am bzw. um den See. In Kombination mit einer zünftigen Kutterfahrt könnten diese zu touristischen Angebotspaketen geschnürt werden. Dabei soll die Anbindung an die internationalen Euro-Radfernwege E11 (Hamburg-Rügen) und E 7 (Mitteleuropa-Route-Berlin-Kopenhagen), die sich in Güstrow kreuzen, eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Interessenten, die Mitmachen wollen, gibt es genug, so Hans-Andreas Reincke vom Verein Wasser in Güstrow. Einer der ersten Schritte zur Umsetzung des Konzeptes ist ein alter GST-Kutter. Dieser fristete mehr oder weniger sein Dasein auf dem Plauer See. Er wurde 2009 durch den Verein gekauft, saniert und kann heute für Rundfahrten gebucht werden. Insgesamt acht Anlegestellen sind vorerst in Planung, wobei natürlich die Belange des Naturschutzes eine erhebliche Rolle spielen. Nach dem Konzept des Vereins soll am Fährhaus, Kurhaus, am Klubhaus, der Grenzburg, Mühl Rosin, Bölkow, Gutow und Schöninsel angelegt werden können. Wir versuchen natürlich bei unseren öffentliche, private und ökologische Interessen unter einen Hut zu bringen, so Reincke. Um das Projekt Erlebnis Inselsee realisieren zu können, braucht man natürlich auch eine Menge Geld. Damit Fördermittel beantragt werden können, müssen schlüssige Konzepte vorliegen. Dabei arbeitet der Verein eng mit der Stadt Güstrow zusammen. Diese wiederum hat mit den anliegenden Gemeinden Mühl Rosin und Gutow eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, um die Arbeit rund um den See koordinieren zu können. Erste Früchte konnten geerntet werden. Die Gemeinde Gutow erhielt jüngst einen Fördermittelbescheid und wird den geplante Anleger und die Badestelle damit ausbauen. Es ist noch eine Menge zu tun, darüber sind sich Hans-Andreas Reincke und seine Mitstreiter im Klaren. Die Hoffnung auf eine erfolgreiche Ausschreibung zur Bewirtschaftung des Geländes am Badestrand Inselsee, die in der letzten Stadtverordnetenversammlung beschlossen worden ist, ist groß. Das würde ein weiterer Mosaikstein im Gesamtkonzept sein. Mit dem Bootsverleih, der an Kanu- Wanderer Sven-Erik Muskulus verpachtet ist, funktioniert bereits ein Teil im Räderwerk Inselsee sehr gut. Von hier lässt Kapitän Dieter Rist nicht nur den Kutter ablegen, auch Wassertreten und Ruderboot fahren ist natürlich erlaubt. Dabei gehören die Organisationen von Geburtstagsfeiern etc. zum Angebot. Vielleicht eine tolle Idee zum Schulanfang. Die Visionen gehen weit in die Zukunft. Die Erlebnisvielfalt Inselsee soll als Außenstandort für die Landesgartenschau fungieren. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Natur- und Umweltpark existiert bereits. Das Fährhaus wieder aufzubauen und als attraktiven Ausgangspunkt für Ausflüge auf und um den Inselsee zu nutzen wären vorstellbar, so Hans-Andreas Reincke. Wie gesagt: Warum in die Ferne schweifen, das Gute liegt oft so nah.
[Blitz 08.08.2010]
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